Digermulen, Lofoten

Kilometerstand: 2957 + 98 Fähre = 3055

Sonne: durchgehend

Fische: Einen Heilbutt und drei Dorsche

Die 3000er Marke wurde geknackt. Seitenmission erreicht. Aufstieg im Rang ist erfolgt.

Das Automobil hat um 11.00 Uhr das eigentliche Ziel erreicht. Leider gibt es hier keine Hausnummern oder Straßenschilder, das Navigationssystem im Auto ist nicht aktuell und man fährt bereits seit einigen Minuten außerhalb der Straße. Das Telefonnetz fällt ebenfalls aus. Wir müssen also in der Nähe sein. Angeblich sollte das Haus laut Beschreibung gelb gestrichen sein. Aber es gibt nur weiße Häuser. Die Adresse ist mit Lofoten 1 angeben, was offensichtlich nicht viel helfen wird. Also hielten wir bei dem Haus an, dessen Attribute die größtmögliche Deckung mit der Beschreibung anbot. Als erstes erschrenkten wir die Tochter des Vermieters, die hier gerade aufräumt. Und die Vermieter hatten das Haus letztes Jahr weiß gestrichen. Die haben Humor, die Norweger. Wir sind da.

Was hört der Norweger in 2017? Auf jeden Fall die 80er und 90er. R.E.M, Dire Straits, Midnight Oil, INXS, Jon Bon Jovi, Pink Floyd, Scorpions, Bruce Springsteen, Iron Maidon, U2, die alte Dinger hat.

Die Pizza

Was essen die Norweger hauptsächlich? Die Antwortet lautet Pizza! Und die Marke hier in Norwegen ist Pizza Grandiosa. Aus diesem Grund wurde zum Mittagessen erstmal Pizza Grandiosa in den Ofen geschoben. Hier machen die Norweger nichts falsch. Die Pizza ist wirklich super.

Kvikk Lunsj — eine Art Kitkat — ist ebenfalls ein Renner und darf auf Outdoor-Fotos nie fehlen. Wir haben sie ebenfalls im Gepäck. Damit kann nichts mehr schief gehen.

Kvalvika Strand

Gerade sind die Abzüge vom Kvalvika Strand eingetroffen. An dieser Stelle kurz dazwischen geschoben. Dort ist der kalte Atlantik zu sehen.

Der Heilbutt

Wie oben in der kleinen Fangstatistik erwähnt, geht es heute um Heilbutt. Aber immer der Reihe nacht. Erste Aufgabe, das 10 PS Boot klar zu machen. Der Motor ist etwas gewöhnungsbedürftig, läuft aber nach anfänglichen Startschwierigkeiten gut.

Die Gegend ist umsäunt von kleinen Stränden und das Wasser leuchtet azurgrün in der unmittelbarer Nähe. Das lädt immer wieder zum Landgang ein (z.B. spontanes Wasserlassen) Das Wasser hat eine angenehme Temperatur, man kollabiert also nicht direkt bei Berühung mit dem Meerwasser wie beim Kvalvika Strand.

Durch die Mitternachtssonne spielt die Zeit keine Rolle mehr. Um jede Zeit kann es kurz nach Mittag an einem etwas bevölkten Tag sein. In Wirklichkeit mag es 3:30 Uhr sein, aber wir haben schon lange aufgeben, die wahre Uhrzeit zu berücksichtigen.

Sobald das Boot anhält und die Angeln zu Einsatz kommen, besuchen die Seemöven das Boot und hoffen, dass man den Fang direkt im Boot filetiert. Aber soweit sind wir noch nicht. Dazu benötigt man mindestens drei Jahre Erfahrungen auf einem Hochseefischkutter.

Anbieten

In einer Tiefe von ca. 20m und im Abstand von 30m zur Küste zuckte die Angelroute, direkt nach "Jetzt anbieten". Es brach Panik aus, da die Zugkraft nichts kleines vermuten liess. Wir brauchen nun schweres Gerät. Wo ist das Gaff? In der Angeltasche! Dummerweise verhakte sich das Gaff in der Tasche und musste mit dem Messer herausgeschnitten werden. Für Fummelei war wirklich keine Zeit, denn etwas großes mit hell leuchtender Fläche kam unweigerlich und stetig zur Wasseroberfläche.

Dorsch? Köhler? Lump? Aber es kam ein 6,7kg schwerer Heilbutt. PANIK! Und bloss nicht ins Wasserfallen! Für ein Mann-Über-Board-Übungen fehlten die notwendigen Ressourcen. Die Angeln, der Käscher, das Gaff, das ganze Equipment purzelte durchs Boot. Wohin mit dem Ding? Egal, erstmal raus aus dem Wasser und rein ist Boot. Fischkiste hastig geleerte und rein mit dem Oschi! Die Fischkiste war praktisch voll.

Nachdem sich die Crew wieder gesammelt hat und sich beruhigen konnte, tuckerte das Boot an der Küste weiter, um sich mit der Gegend vertraut zu machen. Nach drei Dorschen beschloss man in Angesicht der bevorstehenden Arbeit, zum Hafen zurückzufahren. Mit 5 Knoten schnellte Boot in den Hafen, die Crew schwieg während der Fahrt.

Filetierung und Weiterverarbeitung

Um es kurz zu machen: Um ca. 20.00 Uhr begonnen die Arbeiten und gegen 01:45 Uhr waren Unmengen Köhler zu kleinen Fischnuggets fritiert. Der Heibutt und die Köhler aufgebrochen und filetiert. Die Fischreste 500m in der offnen See entsorgt (nach alten norwegischen Reinheitsgeboten).

Es gibt nun Fisch in allen Aggregatszuständen:

  • in leckere Goldnuggets zum Wegsnacken fritiert
  • Frisch im Kühlschrank
  • und eingefroren

Und wenn noch was ist, dann fahren wir für eine halbe Stunde auf die See und die Fischkiste ist wieder voll.

Für den nächsten Tag steht erstmal Wellness auf dem Programm. Der Himmel ist bewökt, ab und zu fieselt es. Aber seien wir doch ehrlich. Spätestes in drei Stunden läuft das Boot wieder aus.